Die Kalorie - der Rechenfaktor für Schönheit und Schlankheit

Die Kalorie - Ursprung eines maßgeblichen Wortes

Das Wort Kalorie stammt ursprünglich von dem lateinischen "calore", was 'Wärme' bedeutet. Damit weist der Begriff auf seine eigentliche Bedeutung hin: Eine Kalorie bezeichnet physikalisch gesehen die Wärmeeinheit, die einem Gramm Wasser zugeführt werden muss, um es um ein Grad Celsius bzw. um ein Kelvin zu erwärmen. Die Abkürzung für Kalorie lautet daher "cal". Die genaue physikalische Definition beinhaltet außerdem: Die Erhitzung des Wassers von 14,5 Celsius auf 15,5 Grad Celsius bei gleichbleibendem Druck. Eine Kilokalorie (kcal) entspricht daher 1.000 Kalorien. Obwohl seit 1978 das Joule offiziell als reguläre Maßeinheit gilt (1 Kalorie = 4,19 Joules), blieb die Angabe in Kalorien als wichtige Richtlinie bei Lebensmitteln bestehen, an der sich der Verbraucher orientiert.

Auch die Errechnung der Energiemenge, die der Körper beispielsweise bei einer Diät braucht, wird in Kalorien angegeben, ebenso die Angabe der Nährwerte der grundlegenden Nahrungsbestandteile Eiweiß (4,1 cal), Kohlenhydrate (4,1 cal), Fett (9,3 cal) und eventuell Alkohol (7,1 cal). Statt der Kilokalorie hat sich hier also die eher umgangssprachliche Kalorie als Maßeinheit etabliert. Auf Lebensmittelpackungen ist es gängig, die Anzahl der Kilokalorien pro 100 Gramm Nahrungsmittel anzugeben.

Der Rechenfaktor für Schönheit und Schlankheit

Da Übergewicht als ästhetischer und Gesundheitsfaktor in unserer Gesellschaft ein großes Thema ist, sind Kalorien für viele Menschen eine Richtlinie, für manche sogar ein magischer Zielpunkt geworden. Es existieren zahlreiche Gesundheitsvorgaben, die bestimmen, wie viele Kalorien ein Mensch individuell zu sich nehmen darf, um sein Gewicht zu halten bzw. um es systematisch zu reduzieren. So gibt es beispielsweise die Formel "Kilogramm Körpergewicht x 24 Stunden x 1 kcal", die von Ernährungswissenschaftlern entwickelt wurde, um den persönlichen Kalorienbedarf zu bestimmen. Andere setzen eine Minimal-Grenze von 1.200 Kalorien pro Tag an, um einen Abnehmerfolg zu garantieren, wobei regelmäßige körperliche Anstrengung und bestehendes Körpergewicht mit berücksichtigt werden. Denn der Körper braucht eine Minimum-Menge dieser Energie, die in Kalorien umgerechnet wird, zur Aufrechterhaltung seiner lebenswichtigen Funktionen wie Atmung, Organtätigkeit, Gehirntätigkeit, etc.

Tatsächlich haben wir (in den Industriestaaten) alle Angst vor zu vielen Kalorien. Denn viele beliebte Nahrungsmittel enthalten diese in üppiger Menge, die Delikatessen werden zudem überall und zu jeder Zeit angeboten. Schlankheit ist aber gleichzeitig ein gesellschaftliches Ideal, es steht für Selbstdisziplin, Erfolg und Tüchtigkeit. Übergewicht dagegen wird häufig instinktiv als Zügellosigkeit und Bequemlichkeit gedeutet. Niemand will dick sein, obwohl überall die "Sünde" lauert. Daher werden fleißig Kalorien gezählt und gegen Sport aufgewogen. Wie es eine Hollywood-Schauspielerin einmal ausdrückte: "Abnehmen ist im Prinzip eine Rechenaufgabe." Denn hat der Körper eine negative Energiebilanz, sprich mehr Kalorien verbraucht, als er zu sich nimmt, dann greift er zwangsläufig auf Reserven zurück: Das Gewicht reduziert sich. Viele Leckereien verbieten sich dann von selbst, denn im Hinterkopf geht automatisch eine Warnblinkanlage an: Vorsicht, 500 Kalorien! Kalorien sind aber allemal der allgemeingültige Maßstab, der die Scheidelinie zwischen triumphaler Selbstbeherrschung und beschämendem Versagen zieht.
Kalorien sind daher heute etwas wie ein gesellschaftlicher Gradmesser geworden. Auch die Hersteller haben dies entdeckt und locken mit Etiketten wie "fettarm", "nur 54 kcal" oder "light". Es gibt sogenannte "fettarme" Chips, kalorienreduzierte Schoko-Desserts, Käse mit wenig Fett: Alle suggerieren sie wenig Kalorien, doch der Blick auf die Nährwertangaben belehrt den Konsumenten häufig eines Besseren. Aber die Lebensmittelindustrie hat das steigende Kalorienbewusstsein der Menschen schon längst für sich instrumentalisiert.

Kalorien gegen den Hunger

Die Anzahl der durchschnittlich aufgenommen Kalorien ist daher auch ein Gradmesser, mit dem Entwicklungsländer von Industrieländer geschieden werden und mit der der Wohlstand eines Landes gemessen wird. Ist die durchschnittliche Versorgung deutlich unter der Mindestzahl der benötigten Kalorien - proportional aufgeteilt nach Nährstoffgruppen - dann wird von Unterversorgung oder gar von Hunger gesprochen. Denn genauso wie Reichtum auf der Welt ungerecht verteilt ist, so ist es auch mit der Nahrung versinnbildlicht in lebensnotwendigen Kalorien. Industriestaaten kämpfen mit Verfettung und Überernährung, in Afrika sind die bekannten aufgeblähten Hungerbäuche zu sehen.

Die Kalorie - ein universeller Maßstab

Obwohl die Abschaffung der Kalorie immer wieder in der Diskussion ist, so zeigt es sich doch, dass es sich hierbei um eine tief verinnerlichte Messlatte handelt, die einerseits Erfolg und Kompetenz suggeriert, andererseits vor Trägheit und Antriebslosigkeit warnt. Doch auch abgesehen vom individuellen Faktor, der sehr ausgeprägt kann, ist sie ein Gradmesser zwischen Haben und Nicht-Haben, zwischen Übersättigung und Hunger. Allemal ist die Kalorie eine allgemein anerkannte Richtlinie, die richtig von falsch unterscheidet und eine Art Kompass bietet.